Pfoten-Tagebuch

Hund versteht mich nicht: Wie Mit Hunden sprechen unsere Kommunikation rettete

54 Spiele. So viele stecken in dem Online-Kurs, den ich mir gekauft habe, weil ich dachte, mein Hund braucht einfach mehr Beschäftigung. Bei Spiel drei bin ich schon gescheitert — nicht weil die Anleitung schlecht war, sondern weil ich die ganze Zeit mit ihm geredet habe, als würde er Deutsch verstehen wie eine Kollegin am Nebentisch. Mein Hund versteht kein Deutsch. Er versteht Tonfall, Tempo und wie verkrampft meine Schultern gerade sind.

Kurzer Stopp, bevor es weitergeht: Dieser Text enthält Affiliate-Links. Kaufst du darüber etwas, bekomme ich eine kleine Provision — für dich ändert sich am Preis nichts. Hier schreibe ich nur über Kurse, die bei mir und meinem Hund tatsächlich im Einsatz waren, nicht über Dinge, die ich nur vom Hörensagen kenne. Die komplette Offenlegung dazu steht hier.

Der Mythos vom vielen Reden

Mein Hund ist zwei Jahre alt und kam vor etwas mehr als einem Jahr zu mir, weil eine Freundin beruflich nach London musste und ihn nicht mitnehmen konnte. Niemand hat mir vorher gesagt, dass ein erwachsener Hund aus einem fremden Zuhause erst mal gar nichts von dem versteht, was man ihm sagt — auch nicht, wenn man es dreimal wiederholt und dabei lauter wird.

Genau das war mein erster großer Irrtum: Wenn er nicht reagiert, muss ich es nur deutlicher sagen. Also lauter, langsamer, mit mehr Nachdruck in der Stimme. Das Ergebnis war eine Eskalation bei praktisch jeder Hundebegegnung, nächtliches Jaulen, bis die Nachbarn klopften, und ein zerkautes Tischbein, das ich bis heute nicht ersetzt habe, weil es mich jeden Tag daran erinnert, wie wenig ich am Anfang verstanden habe.

Aufmerksame Ohren eines Mischlingshundes als Teil der Hunde-Kommunikation

Mein Hund hat nie aufgehört, mit mir zu sprechen

Verzweifelt genug, um nachts auf dem Sofa zu googeln, bin ich irgendwann bei Körpersprache gelandet. Ganz grob gesagt: Während ich Sätze an ihn gerichtet habe, hat er die ganze Zeit über etwas völlig anderes gelesen, nämlich meine Haltung, mein Tempo, meine Anspannung. Wie man das im Detail entschlüsselt, ist ein eigenes großes Thema für sich — hier geht es mir nur um das Missverständnis, das daraus entsteht, wenn man es nicht weiß.

Den eigentlichen Knoten hat bei mir das Programm Mit Hunden sprechen gelöst. Kein klassisches Sitz-Platz-Fuß-Training, sondern ein Blick dafür, was mein Hund die ganze Zeit schon sendet, während ich dachte, ich müsste ihm etwas erklären.

Mit der App von Mit Hunden sprechen unterwegs — ich konnte mir Sachen im Park schnell nochmal anschauen — ist mir aufgefallen, wie sehr meine eigene Körperhaltung an der Leine das Problem mitgebaut hat. Lehne ich mich nach vorne, sobald ein anderer Hund auftaucht, liest sich das für meinen Hund wie eine Kampfansage. Leinenaggression gegenüber anderen Hunden ist nochmal ein eigenes Fass, aber meine Haltung an der Leine war bei uns definitiv ein Teil davon.

Falls dein Hund draußen komplett abschaltet, sobald er aufgeregt ist, kann ich dir nur empfehlen, dir anzuschauen, wie Hundetraining mit Erfolg uns genau in solchen Momenten weitergeholfen hat. Bei meinem war das vor allem am Anfang draußen ein Dauerthema.

Das Problem mit stundenlangen Spaziergängen

Bevor ich von Körpersprache überhaupt etwas wusste, war mein Plan simpel: müde machen. Wir sind auf dem Tempelhofer Feld teilweise stundenlang im Kreis gelaufen, bis mir selbst die Füße wehtaten, in der festen Überzeugung, ein erschöpfter Hund sei automatisch ein ruhiger Hund. Das Gegenteil war der Fall — danach war er zappeliger als vorher, als hätte ich ihm eine Runde Kaffee ausgegeben statt ihn auszulasten.

Eine Freundin, die regelmäßig Aerial-Yoga in Friedrichshain macht, hat mir dafür unfreiwillig die beste Erklärung geliefert: Nach einer Stunde kopfüber in Tüchern ist ihr Körper fertig, ihr Kopf dreht sich aber trotzdem noch stundenlang weiter. Bei meinem Hund war es genauso — körperlich platt heißt noch lange nicht innerlich ruhig. Das Thema nennt sich im Training Erregungsregulation, aber mir hat damals schon gereicht, zu merken, dass Laufen allein das Problem nicht löst.

Smartphone mit Hundetraining-App für Anfänger neben einer Hundepfote auf Holzboden

Weniger erklären, mehr beobachten

Vierzehn Kilo warmer Hund lagen heute früh quer über meinen Füßen, bevor überhaupt der Wecker klingeln musste — kein Kommando, kein Drängeln von mir, einfach so.

An der Wohnungstür zeigt sich das inzwischen am deutlichsten. Bevor meine Hand überhaupt die Klinke erreicht, sitzt er schon von sich aus, ohne dass ich "Sitz" sagen müsste. Früher hätte ich in dem Moment auf ihn eingeredet — heute reicht es, dass ich langsamer werde, und er macht den Rest.

Dieses Warten an der Tür ist eine kleine Form von Impulskontrolle, genauso wie das spätere langsame Steigern von Dauer, Abstand und Ablenkung beim Training draußen — und ob ein Hund sich überhaupt auf einen einlässt oder nur körperlich dabei steht (Engagement nennt sich das), ist nochmal eine andere Geschichte. Konkret trainiert habe ich das mit der Traumhund-Challenge, die 54 einzelne Spiele durchgeht. Ohne das Wissen aus "Mit Hunden sprechen" wäre ich bei Spiel drei schon gescheitert, weil ich gar nicht gemerkt hätte, wann er überfordert ist.

Vom Beobachten zum gezielten Training

Nicht jedes Verhalten lässt sich einfach durch Zuschauen lösen. Dass er draußen jeden Hund fixiert hat, bevor er reagierte, war so ein Fall — dazu habe ich extra aufgeschrieben, wie wir mit Hunden sprechen jetzt nutzen, um genau solche Situationen zu entschärfen.

Ein paar Dinge gehören trotzdem nicht in diesen Text, auch wenn sie nah dran liegen. Dass ein Kommando zuhause klappt und draußen komplett vergessen scheint, ist ein eigenes Generalisierungs-Thema. Dass ich inzwischen eher vorbeuge, bevor aus einer Situation ein Problem wird, statt danach zu korrigieren, fällt unter Management der Umgebung. Dass Bellen nur wegen Aufmerksamkeit von selbst aufhört, wenn ich gar nicht reagiere, ist sein eigenes Kapitel, genauso wie das gezielte Hinlegen auf ein Signal. Und ob das anfängliche Pinkeln in der Wohnung und das nächtliche Jaulen eher Richtung Stubenreinheit oder Richtung Trennungsangst ging, kläre ich lieber in eigenen Texten als hier nebenbei.

Entspannter Spaziergang mit Hund auf dem Tempelhofer Feld in Berlin

Auch mit Verstehen läuft nicht alles perfekt

Neulich beim Abendspaziergang kam um die Ecke ein Mops, ich war mit dem Kopf bei einer Kundendeadline und habe seine Körpersprache komplett verpasst — und zack, hing er wieder in der Leine, als gäbe es kein Verstehen zwischen uns.

Früher hätte ich mich den ganzen Abend dafür fertiggemacht. Heute ist klar, wer das Signal verpasst hat: ich, nicht er. Er hatte mir längst gezeigt, dass ihm unwohl ist, bevor er überhaupt bellte, ich war nur zu abgelenkt, um hinzuschauen.

Die Pfützen im Flur sind trotzdem Geschichte, das nächtliche Jaulen ist leiserem Schnarchen gewichen, und wenn wir uns heute anstarren, dann meistens, weil er auf einen fallengelassenen Krümel vom Abendessen hofft.

Schlafender Hund im Körbchen neben Notizen zur Traumhund-Challenge

Verstehen schlägt Erklären

Was mein Hund mir sagt, läuft über mehr Kanäle, als ich am Anfang für möglich gehalten hätte — über Ohren, Rute, Haltung und sogar über Pheromone, die ich schlicht nicht riechen kann. Wie genau das im Einzelnen funktioniert, ist wieder ein eigenes Thema; wichtig war für mich nur, zu akzeptieren, dass da die ganze Zeit Kommunikation läuft, mit oder ohne mein Zutun.

Die Kombination aus Mit Hunden sprechen für das Verstehen und der Traumhund-Challenge für das Üben hat bei uns den Unterschied gemacht. Günstig ist keiner der beiden Kurse, und beide brauchen Zeit, die man sich wirklich nehmen muss. Die Regel, die seitdem bei uns gilt, ist simpel: Wenn er nicht reagiert, werde ich leiser und langsamer statt lauter und schneller, und ich schaue erst, was sein Körper mir schon sagt, bevor ich überhaupt ein Kommando rausschicke.

Wenn du noch ziemlich am Anfang stehst und erst mal Ordnung in das generelle Chaos bringen willst, bevor du dich mit Kommunikation im Detail beschäftigst, lies dir gerne auch meinen Text über Hundeerziehung für Anfänger durch. Eine Pfote nach der anderen reicht völlig.

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