
Tagsüber entwerfe ich Markenauftritte für Firmen, die noch nie ein Problem mit ihrem eigenen Revier hatten. Abends knie ich auf meinem Vintage-Berberteppich und rieche testweise an einer nassen Stelle, um sicherzugehen, dass es wirklich schon wieder er war. Mein zweijähriger Mischling, den ich vor einiger Zeit von einer Freundin übernommen habe, die umziehen musste, hat sich das Beinchenheben angewöhnt – nicht aus Versehen, sondern ganz gezielt an Tischbeinen, am Türrahmen und an meiner neuen Stehlampe. Für eine Anfängerin in Sachen Hundeerziehung in Berlin ist das ungefähr so entspannend, wie es klingt: gar nicht.
Hinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Wenn du über diese Links etwas kaufst, bekomme ich eine kleine Provision, für dich ändert sich am Preis nichts. Ich schreibe hier nur über Hundekurse, die ich in meinem eigenen chaotischen Alltag tatsächlich ausprobiere. Hier ist meine vollständige Offenlegung.
Woran erkenne ich, ob mein Hund wirklich markiert und nicht einfach mal danebengeht?
Genau diese Frage hat mir Juliane aus meiner Kursgruppe letztens im Chat gestellt. Sie wohnt in München, hat Haus und Garten, und ihr Hund hätte laut ihr niemals so ein Theater veranstaltet wie meiner. Bei uns fällt das Problem nicht so leicht weg, aber die Antwort auf ihre Frage ist trotzdem eindeutig: Markieren ist gezielt, Unsauberkeit ist zufällig. Hinterlässt dein Hund mitten im Raum eine Pfütze, ist das meistens ein Blasen- oder Aufregungsthema. Steuert er dagegen immer wieder dieselben senkrechten Flächen an – Tischbein, Türrahmen, Lampenfuß – und hebt dabei das Bein, ist das Markierverhalten, kein Trainingsrückstand bei der Stubenreinheit.
Ich wollte wissen, was mein Hund mir damit eigentlich sagen will, und bin über den Kurs Mit Hunden sprechen ans Thema Körpersprache herangekommen. Markiert er, weil er glaubt, hier das Sagen haben zu müssen? Oder ist es Stress von den ganzen Reizen in der Stadt, Autos, fremde Menschen, andere Hunde im Treppenhaus? Bei einem Hund, der gerade neu eingezogen ist, tippe ich fast immer zuerst auf Unsicherheit statt auf Dominanz. Er versucht, sich seine Umgebung mit dem eigenen Geruch vertrauter zu machen, nicht mich zu entmachten.
Normales Putzen reicht gegen das Markieren nicht
Meine erste Reaktion war, gegen den Geruch anzuduften statt ihn zu bekämpfen. Teure Kerzen, Fenster auf, trotzdem blieb im Flur diese Mischung aus Jasmin und, na ja, Hundepipi hängen. Besuch einzuladen war mir irgendwann peinlich. Was, wenn jemand daran hochschnuppert, während wir Kaffee trinken?

Also habe ich angefangen zu recherchieren wie besessen: Hund markiert trotz Stubenreinheit, Beinchenheben Wohnung stoppen, die üblichen Suchbegriffe eben. Dabei kam heraus, dass gewöhnlicher Allzweckreiniger für unsere Nase reicht, für seine aber nicht. Ein Enzymreiniger arbeitet da spürbar gründlicher, ohne dass ich jetzt in die Details gehen muss, warum genau. In Berlin muss man seinen Hund übrigens innerhalb eines Monats zur Hundesteuer anmelden, das sind 120 Euro im Jahr für den ersten Hund. Zwischen der Steuer und dem Spezialreiniger dachte ich nur: Dieser Hund ruiniert mich finanziell, bevor er überhaupt stubenrein ist.
Sprühflasche, Schimpfen: Was das Markieren bei uns nicht gestoppt hat
Bevor ich irgendetwas Sinnvolles ausprobiert habe, griff ich zur Sprühflasche mit Wasser, dem Klassiker, den halb das Internet empfiehlt. Sobald er sich einem Tischbein näherte, gab es einen kurzen Sprühstoß.
Er fand das GROSSARTIG. Er hat es als Spiel verstanden, ist danach fröhlich um mich herumgesprungen und hat wenig später trotzdem markiert, nur mit mehr Vorfreude. Von der Sprühflasche bin ich also komplett weg.

Schimpfen war nicht besser. Einmal habe ich ihn direkt beim Beinheben am Sofa erwischt und ihn laut ausgeschimpft, weil ich mit den Nerven völlig am Ende war. Er hat mich mit so einer Angst angesehen, dass er vor Schreck noch mehr laufen ließ. Ich fühlte mich wie das Monster der Wohnung. Genau da wurde mir klar: Er macht das nicht aus Boshaftigkeit, sondern weil er sich in seinem neuen Zuhause noch nicht sicher genug fühlt. Anschreien bestätigt ihm nur, dass gerade wirklich Grund zur Sorge besteht.
Ähnlich unruhig war er auch an der Leine, wie ich in Hund beißt in die Leine beschrieben habe, und diese Grundanspannung hat sich früher oft direkt mit in die Wohnung fortgesetzt.
Was, wenn Besuch klingelt und alles eskaliert?
Klingeln war lange ein Auslöser für Chaos, und Chaos endete bei uns öfter mal am Türrahmen. Mein Schulfreund Timo aus Stuttgart, der panische Angst vor Hunden hat, ist inzwischen ungefragt so etwas wie das Übungsobjekt für Impulskontrolle bei jedem seiner Besuche geworden. Neulich, als es bei ihm klingelte, ist etwas Neues passiert: Mein Hund ist nicht sofort zur Tür gestürmt, sondern hat kurz zu mir rübergeschaut, fast so, als würde er fragen, ob das gerade okay ist.
Diesen Blick verdanke ich vor allem der Traumhund-Challenge, einem Online-Kurs mit insgesamt 54 Trainingsspielen, den ich angefangen habe, nachdem mir klar wurde, dass reines Wissen aus Artikeln nichts bringt, wenn man es nicht übt. Über diese Spiele lernt er nebenbei, dass Impulse warten dürfen, bevor sie ausgeführt werden, nicht nur an der Tür, auch am Tischbein. Seit wir das regelmäßig machen, markiert er spürbar seltener, vermutlich weil er geistig ausgelasteter ist und nicht mehr das Gefühl hat, ständig Wache schieben zu müssen.
Ein fester Platz statt freier Wahl in der ganzen Wohnung
Früher durfte er liegen, wo er wollte, was ihm offenbar das Gefühl gab, für die komplette Wohnung zuständig zu sein; seit er einen klar eigenen, festen Platz hat, ähnlich wie ein eigener Schreibtisch in einer WG, ist das Beinchenheben insgesamt seltener geworden.

Wohnungen in Mitte sind eng, Gerüche stauen sich, und was draußen an Stress passiert, bringt er zuverlässig mit rein. Kommen wir vom Görlitzer Park in Kreuzberg zurück, wo er gefühlt jedem Hund im Umkreis begegnet ist, steht die Chance gut, dass er drinnen noch mal nachlegt, einfach weil die Anspannung noch da ist. Für genau diesen Teil, die Ablenkungen draußen besser einschätzen und begleiten, hat mir der Kurs Hundetraining mit Erfolg geholfen. Es geht dabei weniger um die Wohnung selbst als darum, den Stress schon auf dem Rückweg abzubauen, bevor er an der Wohnungstür ankommt.
Wie lange dauert es, bis das Markieren aufhört?
Nicht geradlinig, das ist die ehrlichste Antwort, die ich geben kann. An einem besonders schwülen Abend gab es bei uns noch einen Rückschlag. Er hat gegen den Vorhang im Schlafzimmer markiert, und ich hätte heulen können. Statt auszurasten, habe ich ihn wortlos rausgeführt und danach mit Enzymreiniger geschrubbt. Manche Tage laufen rund, andere enden damit, dass du wieder kniend vorm Teppich schnüffelst.
Ein Nebenschauplatz, den ich nicht unterschätzt hätte: Stress beim Fressen. Meiner hat am Anfang alles regelrecht inhaliert, was insgesamt nicht zu seiner Entspannung beigetragen hat. Wer da ähnliche Erfahrungen macht, findet mehr dazu in meinem Beitrag Hund schlingt beim Fressen: Meine Tipps für entspannte Mahlzeiten.
Die zwei Sekunden Stille, nachdem er nachts aufhört zu jaulen, bevor ich selbst wieder ausatme, sind für mich inzwischen der ehrlichste Gradmesser dafür, wie entspannt er gerade wirklich ist. Entspannter Hund, weniger Markieren, so einfach ist die Formel am Ende tatsächlich. Mein Teppich bleibt inzwischen trocken, und barfuß durch die Wohnung zu laufen, ohne vorher zu prüfen, ist ein Luxus, den ich nicht mehr für selbstverständlich halte.
Falls du gerade mit der Sprühflasche in der Hand vor deinem eigenen Sofa stehst: Es ist kein Zeichen von Boshaftigkeit, sondern von Unsicherheit, und die lässt sich mit Struktur und Beschäftigung angehen, nicht mit Anschreien. Wenn du nicht weißt, wo du anfangen sollst, kann ich dir die Traumhund-Challenge wirklich ans Herz legen, die 54 Spiele haben bei uns mehr verändert als jeder Reiniger.