
Lokis Pfote fühlt sich rau an wie Sandpapier, wenn sie in meiner Hand liegt – und ausgerechnet dieser kleine Hundetrick für Anfänger hat mehr fürs Bindung aufbauen zwischen uns getan als jedes andere Kommando.
Diese Hand-in-Pfote-Nummer war nie als großer Plan gedacht. Sie kam mitten in meiner zweiten Runde der Traumhund-Challenge, aus purer Verzweiflung heraus, weil wir beide dringend einen gemeinsamen Erfolg brauchten – kein Kommando, kein Problemverhalten, nur ein kleiner Sieg für zwei, die sich gerade erst kennenlernten.
Hundetraining in Berlin heißt bei uns: Park-Chaos am Wochenende, Homeoffice-Pausen unter der Woche, und mittendrin ein Mischling, der gerade erst lernt, wem er eigentlich vertrauen soll. Dieser kleine Hundetrick für Anfänger hat sich dabei als der Türöffner herausgestellt, den ich am wenigsten erwartet hätte.

Warum ist ausgerechnet dieses Pfötchengeben so wichtig fürs Bindung aufbauen?
Früher hielt ich Pfötchengeben für einen albernen Zirkustrick, für Leute, die ihren Hund vermenschlichen wollen. Inzwischen sehe ich das anders: Ein Hund gibt dir freiwillig das Bein, mit dem er steht und läuft, in die Hand – bei einem unsicheren Tier wie Loki ist das eine große Sache.
Dazu kommt ein praktischer Vorteil, den mir niemand vorher erklärt hat: Wenn der Tierarzt irgendwann mal an eine Pfote ranmuss, ist es Gold wert, wenn der Hund sie von sich aus anbietet, statt sich wegzuziehen oder zu schnappen. Diese kleine zusätzliche Kralle, die man als Wolfskralle bezeichnet, kannte ich vorher gar nicht – ich habe erst bei einer dieser Pfoten-Sessions überhaupt gemerkt, dass sie einen eigenen Namen hat.
Im Stehen klappt der Trick leichter als im Sitzen
Im Sitzen hat Loki bei den ersten Versuchen leicht geschwankt, sobald er eine Vorderpfote vom Boden hob. Im Stehen dagegen nicht.
Also haben wir einfach im Stehen trainiert, auch wenn das erstmal komisch aussah, weil man den Trick ja meistens im Sitzen vorgeführt bekommt. Er wirkte dabei viel konzentrierter – als müsste er sich nicht gleichzeitig um sein Gleichgewicht sorgen.
Schwankt dein Hund im Sitzen, sobald er eine Pfote hebt? Dann probier es im Stehen. Bei uns hat allein das den Unterschied gemacht zwischen Frust auf beiden Seiten und einem Hund, der mitmacht.
Der Clicker-Versuch, der nach hinten losging
Bevor wir beim Pfötchengeben angekommen sind, hatte ich kurz vorher Klicker-Training ausprobiert – nach einem zehnminütigen Tutorial auf dem Handy, ohne wirklich verstanden zu haben, worauf es beim Timing überhaupt ankommt.
Das Ergebnis war vor allem Verwirrung. Ich klickte zu spät, zu früh, manchmal für das völlig falsche Verhalten, und Loki guckte mich an, als würde ich eine Fremdsprache sprechen, die ich mir gerade erst selbst ausgedacht hatte. Marker-Training ist offenbar eine eigene Wissenschaft für sich – dazu müsste ich erst noch viel mehr verstehen, bevor ich es wirklich sauber einsetzen kann.
Beim Pfötchengeben habe ich es deshalb simpler gemacht: keine Klick-Geräusche, nur meine geschlossene Faust mit einem Leckerli drin, und meine Stimme, wenn er etwas in die richtige Richtung versucht hat. Es fühlte sich an wie eine Feedback-Schleife im Job: kleine Anpassung, kurze Rückmeldung, nächster Versuch – nur dass die Rückmeldung hier ein Stück Futter war statt ein Kommentar im Design-Review.
Was mache ich, wenn er die Pfote einfach nicht hergibt?
Mein erster Versuch mit der geschlossenen Faust war chaotisch. Ich hielt das Leckerli fest in der Hand vor seine Nase, und er hat alles versucht außer das, was ich wollte: abgeleckt, mit den Zähnen an meinen Fingern gehebelt (autsch), mich einfach nur fassungslos angestarrt.
WARUM MACHT ER DAS NICHT EINFACH, dachte ich mir in dem Moment, kurz davor, entnervt aufzugeben. Dann erinnerte ich mich an die Zehn-Minuten-Regel – länger hält die Konzentration bei etwas komplett Neuem sowieso selten durch, weder bei ihm noch bei mir. Also haben wir Pausen gemacht, immer wieder, auch wenn erstmal gar nichts passierte.
An einem Abend passierte dann die kleine Bewegung, auf die ich gewartet hatte: ein kurzes Scharren seiner Pfote an meiner Hand. Ich öffnete die Faust sofort und feierte ihn, als hätte er gerade einen Preis gewonnen.
Draußen zeigt sich der Unterschied genauso wie drinnen
Trainerinnen nennen das Generalisieren: Ein Trick, der drinnen klappt, klappt draußen noch lange nicht automatisch mit. Deshalb war ich gespannt, ob sich an unserem Spaziergangsverhalten überhaupt etwas ändert.
Im Mauerpark, früh morgens, wenn die Luft noch klamm ist und außer uns kaum jemand unterwegs ist, kam neulich ein bellender Hund an der Leine vorbei. Loki hat kurz hingeschaut – und ist einfach ruhig weitergelaufen, ohne zu bellen oder nach vorne zu schnellen.
Juliane aus meiner Kursgruppe, die ihren Hund in München großzieht, schreibt im Gruppenchat öfter, bei ihr sei alles entspannter – weniger Trubel, weniger andere Hunde gleichzeitig an der Leine. Vielleicht stimmt das sogar ein bisschen.
Trotzdem hat Pfote geben bei uns genau in diesem Berliner Trubel funktioniert – nicht obwohl, sondern weil es Loki geholfen hat, sich auf mich zu konzentrieren statt auf alles drumherum.
Hilft das auch, wenn Besuch kommt, vor dem er zu aufgeregt ist?
Mein Schulfreund Timo kommt gelegentlich aus Stuttgart vorbei und hat ziemliche Angst vor Hunden – sein erster Besuch, kurz nachdem Loki bei mir eingezogen war, war für alle Beteiligten ziemlich schrecklich.
Mittlerweile ist Timo so etwas wie Lokis unfreiwilliges Übungsfeld für Impulskontrolle geworden. Ich halte die Hand hin, Loki gibt Pfote, statt an Timo hochzuspringen, und Timo traut sich inzwischen sogar, kurz die Pfote zu halten, bevor er sich wieder aufs Sofa rettet.
Das große Thema Impulskontrolle ist nochmal ein eigenes Fass für sich, aber Pfote geben war für uns beide der Einstieg hinein.
Was wirklich hängengeblieben ist
Natürlich klappt noch längst nicht alles. Es gibt weiterhin Tage, an denen Loki meine Kommandos komplett ignoriert oder ich das Gefühl habe, wir fangen wieder bei null an – wie etwa, wenn er wieder mal beim Anleinen ein Drama veranstaltet hat.
Wenn ich merke, dass er gestresst ist, halte ich ihm trotzdem oft einfach die Hand hin. Er legt die Pfote rein, und für eine Sekunde atmet er hörbar durch. Das ist mehr wert als jedes perfekt sitzende Kommando.
Falls du gerade an dem Punkt bist, an dem du denkst, das klappt nie mit diesem Hund: Bevor du irgendeinen Trick einfach nachmachst, schau erst, ob dein Hund im Sitzen stabil bleibt oder schwankt, sobald er eine Pfote hebt – das entscheidet, ob ihr im Sitzen oder Stehen anfangt. Und fang klein an, nicht mit dem großen Problem, sondern mit dem kleinsten gemeinsamen Erfolg, den ihr gerade schaffen könnt.
Genauso stolz war ich, als ich ihm endlich das Sofa-Verbot beigebracht habe – auch das war ein kleiner Meilenstein, auch wenn der eher über klare Hausregeln lief als über Vertrauen. Pfote geben war das Gegenteil davon: keine Grenze, sondern eine Einladung.