Pfoten-Tagebuch

Hund bei Hitze beschäftigen: Meine besten Tipps für kühle Köpfe in Berlin

Wie lange ein Hund im Pelzmantel durchhält, wenn in der Wohnung kein Lüftchen mehr geht, wusste ich nicht – bis zu jenem Nachmittag Mitte Juli, als die erste richtige Hitzewelle über Berlin kippte und ich mit einer Grafik-Deadline kämpfte, während mein Kopf langsam schmolz. Loki lag flach wie ein ausgedrückter Schwamm neben meinem Schreibtischstuhl, die Beine von sich gestreckt, und hechelte so laut, dass ich mein eigenes Tippen kaum hörte. Als totale Anfängerin im Hundetraining hatte mir in diesem ersten Sommer mit Hund in Berlin niemand gesagt, wie wichtig Auslastung drinnen plötzlich wird, wenn draußen alles glüht.

Ich dachte, Spazierengehen bei Hitze heißt einfach: langsamer laufen. Spoiler: komplett falsch gedacht. An einem schwülen Dienstagnachmittag im August wollte ich mit Loki nur kurz um den Block, und keine zwei Schritte vor der Haustür blieb er stehen.

Rührte sich nicht mehr.

Panisch hab ich den Test gemacht, von dem ich am Abend davor in meinem Kurs gelesen hatte: Handrücken für sieben Sekunden auf den Gehweg drücken. Tut es weh, ist es für seine Pfoten zu heiß.

Der dunkle Asphalt war nach zwei Sekunden schon zu heiß für meine eigene Hand – wie eine Herdplatte, auf die man aus Versehen greift. Ich hab mich sofort schlecht gefühlt, weil ich ihn beinahe über genau diesen Boden geschleift hätte. Abbruch. Zurück ins Haus, zweiter Stock, kein Fahrstuhl, Tür zu.

Mein Küchenlabor für heiße Tage

Gefrorene Schleckmatte mit Joghurt als Auslastung drinnen für den Hund an einem heißen Berliner Sommertag

Loki total erschöpft, ich komplett ratlos – so saßen wir da. Einen Balkon, auf den ich ihn wenigstens in den Schatten setzen könnte, haben wir in unserer Wohnung nicht, also musste die Abkühlung komplett drinnen stattfinden. Ich hab meine Küche notdürftig zu einem kleinen Labor umfunktioniert, mit dem Gefrierschrank als wichtigstem Werkzeug. Durch das hohe Fenster über der Spüle, das sowieso nur zum Hinterhof hinausgeht, kommt bei uns ohnehin kein Lüftchen rein.

Schleckmatten mit Naturjoghurt und ein bisschen Leberwurst (ja, die stinkt bei der Hitze fürchterlich, aber er liebt sie) kamen für ein paar Stunden in den Gefrierschrank. Nach so einer Trainingsrunde mit dem Clicker riechen meine Finger danach noch stundenlang nach Leberwurst, und diesen leicht fettigen Film wird man auch mit Seife nicht sofort los. Das klebrige Geräusch, mit dem Loki die gefrorene Masse von der Silikonmatte schleckt, während irgendwo ein Ventilator surrt, ist inzwischen der Soundtrack meiner Mittagspausen.

Einen riesigen Eiswürfel hab ich ihm am Anfang übrigens einfach so hingelegt – großer Fehler. Er wollte ihn im Ganzen schlucken und hat danach furchtbar gehustet. Seitdem gibt's nur noch Schleckmatten oder befüllbare Kauspielzeuge, bei denen er sich wirklich anstrengen muss. Dauert länger, und er überfrisst sich nicht mit dem kalten Zeug.

Auslastung drinnen schlägt den Spaziergang im Park

Nach ein paar Wochen Hitze-Experimenten hab ich etwas gelernt, worüber ich selbst gestaunt habe: Zehn Minuten Nasenarbeit im kühlen Flur fordern Loki geistig mehr als eine Stunde zielloses Hecheln im Park. Weil er draußen ja sowieso leicht abgelenkt ist – ich hab ja schon mal beschrieben, wie der Hund draußen nicht auf Kommando hörte – war das Training drinnen für uns beide eigentlich ein Segen.

Nennt sich wohl geistige Auslastung, bei uns heißt es einfach: Leckerlis im ganzen Flur verstecken, Loki im Wohnzimmer warten lassen, und erst auf mein Signal darf er los. Nennt sich angeblich auch Impulskontrolle, aber für mich war's zuerst nur eine Überlebensstrategie gegen die Langeweile. Danach schläft er wie ein Stein, ohne dass sein Kreislauf im Schatten bei Höchsttemperatur kollabiert.

Andere Hunde, denen wir auf unseren kurzen Runden begegnet sind, sahen an diesen Nachmittagen genauso platt aus wie Loki. Er hat kaum Schweißdrüsen, die beim Abkühlen wirklich helfen – hecheln ist so ziemlich seine einzige Option, und das kostet sichtbar Kraft. In der prallen Mittagssonne spazieren? Für ihn fühlt sich das an, als würde ich ihn in einen Pelzmantel stecken und in die Sauna schicken.

Hand testet mit der 7-Sekunden-Regel die Hitze des Gehwegs – Hundetraining für Anfänger in Berlin

Darf ich meinen Hund einfach abduschen?

Hier kommt mein größter Aha-Moment des Sommers. Lange dachte ich: Hitze gleich Wasser über den Hund kippen oder ihn in jeden Brunnen springen lassen. Pia, meine Kollegin mit dem sieben Jahre alten Labrador, macht das bei ihrem auch ständig so. Dann hab ich in meinem Kurs etwas gelesen, das mich wirklich stutzig gemacht hat: Ständiges Nasskühlen kann bei manchen Hunden die eigene Wärmeregulation eher stören als unterstützen.

Bei dichtem Unterfell kann die Feuchtigkeit die Hitze sogar stauen, wenn die Luft gleichzeitig schwül ist – das Wasser verdunstet nicht richtig, sondern liegt wie eine feuchte Glocke auf dem Fell. Genau das hab ich bei Loki gesehen: klitschnass und dann durch die schwüle Berliner Luft nach Hause gelaufen, hat er danach noch heftiger gehechelt als vorher. Mittlerweile mach ich nur noch die Pfoten und den Bauch nass, wenn es wirklich nötig ist.

Ein bisschen wie bei uns Menschen: Nach einer eiskalten Dusche schwitzt man manchmal danach noch mehr, weil der Körper gegensteuert. Seit ich das weiß, bin ich mit der Wasserspritze viel vorsichtiger geworden. Lieber nutzen wir Kühlmatten mit Gel-Füllung – die Loki am Anfang natürlich erst mal zerbeißen wollte, zum Glück war ich schnell genug.

Unser Rhythmus hat sich komplett verändert

Loki zwingt mich sowieso jeden Morgen um sechs aus dem Bett, und mittlerweile bin ich ihm fast dankbar dafür. Nur um diese Zeit kann man im Mauerpark in Prenzlauer Berg wirklich tief durchatmen – die Luft ist noch frisch, der Boden kühl, kaum andere Hunde unterwegs.

Dort treffe ich inzwischen fast jeden Morgen Emre mit seinen drei Hunden. Er ist kein Trainer, hat aber selbst drei Hunde großgezogen und gibt mir ab und zu einen Tipp, ohne dabei zu dozieren. Letzte Woche hat er mich noch kurz gewarnt, dass ein bestimmter Hund im Park gerade schlecht gelaunt ist – diese Art von Insiderwissen hat er einfach, weil er praktisch jeden dort kennt.

In der fünften Woche kam uns ein bellender Hund entgegen: Loki hat kurz hingeschaut – und ist einfach weitergelaufen.

Kein Ausflippen, kein Ziehen, nur ein kurzer Blick. Das Thema, dass er an der Leine auf andere Hunde reagiert, beschäftigt uns ja sowieso schon lange; ich hab in meinem Bericht darüber, wie Hund versteht mich nicht unsere Kommunikation rettete, schon mal vorsichtig angedeutet, dass sich da was bewegt. Dieser ruhige Morgen im Mauerpark war der erste handfeste Beweis dafür.

Ignorieren ist bei Loki übrigens sowieso nie ein Plan gewesen. Ich hab das mal probiert, als er ständig an mir hochgesprungen ist – einfach wegschauen, gar nicht reagieren. Resultat: Er hat sich danach die Kommode im Flur vorgeknabbert. Seitdem weiß ich, dass bloßes Ignorieren bei ihm nichts bringt, egal ob's um Hochspringen oder um Hitzestress geht.

Abendlicher Spaziergang mit Hund im kühlen Schatten – entspanntes Berliner Hundeleben im Sommer

Nach acht Uhr morgens passiert draußen nicht mehr viel. Bis zum späten Nachmittag machen wir dann Siesta. Er legt sich inzwischen von selbst in seine Ecke beim Bücherregal, gleich neben meinem Schreibtischstuhl, sobald ich die Jalousie runterlasse – reines Settle-Training, auch wenn ich das Wort erst in meinem Kurs gelernt habe. Mittags leg ich mich oft einfach neben ihn auf den alten Parkettboden, der ist kühler als jedes Sofa, auch wenn er schon ordentlich in die Jahre gekommen ist.

Abends, wenn es draußen langsam abkühlt, drehen wir unsere zweite große Runde. Berlin wirkt dann ganz anders – nicht mehr hektisch, sondern eher schläfrig und entspannt.

Was ich frischgebackenen Hundeeltern sagen würde

Weniger ist mehr, wenn's richtig heiß wird. Man muss Loki nicht bespaßen – man muss ihn eigentlich nur davor schützen, sich selbst zu übernehmen. Management schlägt an solchen Tagen jede Erziehung: Man muss nicht alles trainieren, man kann auch einfach die Bedingungen ändern.

Die Kombination aus Nasenspielen drinnen, gefrorenen Snacks und dem strikten Meiden von Asphalt zwischen elf und achtzehn Uhr hat uns diesen Sommer gerettet. Und falls du dich fragst, ob dein Hund dich hasst, weil du nicht mit ihm an den See fährst: Nein, tut er nicht. Er ist wahrscheinlich einfach froh, dass er auf seinen eiskalten Joghurt warten darf, während du die Vorhänge zuziehst.

Es bleibt ein Lernprozess, genau wie damals, als der Hund sich nicht anleinen ließ und ich dachte, das wird nie was. Man wächst eben mit den Aufgaben – auch wenn die manchmal bedeuten, dass der Wecker um fünf klingelt, damit wir dem Berliner Beton-Dschungel entkommen, bevor er wieder aufheizt.

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