Pfoten-Tagebuch

Mit Hunden sprechen lernen: Meine Erfahrungen mit der Kommunikation ohne Worte

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Freude und höchste Alarmbereitschaft sehen bei meinem Hund für die ersten paar Sekunden komplett gleich aus: Rute hochgestellt, Körper starr, Ohren nach vorne gekippt. Erst danach trennt sich, was als ausgelassenes Spiel endet und was in Gebell und Leinenruck kippt – und genau diesen Unterschied konnte ich am Anfang nicht lesen. Hundekommunikation läuft eben nicht über Worte, sondern über Körpersprache in Sekundenbruchteilen, die man als Trainings-Anfängerin komplett verpasst, während man noch überlegt, ob man jetzt "Sitz" rufen soll.

Bevor es weitergeht, kurz Werbung in eigener Sache: Ich verlinke hier Kurse, die ich selbst nutze, teils über Affiliate-Links – kaufst du darüber, bekomme ich eine kleine Provision, für dich bleibt der Preis exakt gleich. Ich empfehle nur, was mir in meinem chaotischen Alltag mit diesem Hund wirklich weitergeholfen hat, nicht mehr und nicht weniger. Alles Weitere steht in meiner vollständigen Offenlegung.

Vor ein paar Wochen auf dem Tempelhofer Feld wollte ich am liebsten im Boden versinken. Ein anderer Hund kreuzte nicht weit von uns unseren Weg, mein Hund erstarrte, und bevor ich überhaupt reagieren konnte, hing er bellend in der Leine. Der andere Hundehalter warf mir diesen Blick zu – den, der sagt: "Du hast dein Tier nicht im Griff." Warum er bei fremden Hunden an der Leine so eskaliert, ist nochmal ein eigenes Thema für sich, das würde hier zu weit führen. Was mich in dem Moment am meisten geärgert hat: Ich hatte die Anspannung in seinem Körper Sekunden vorher gesehen und trotzdem nicht reagiert.

Ich bin Grafikdesignerin, mein Job dreht sich um visuelle Hierarchien und ums Lesen von Layouts. Trotzdem war ich komplett blind, als ich diesen Hund vor ein paar Monaten von einer Freundin übernahm, die Hals über Kopf umziehen musste. Sie geht seitdem jeden Samstag zu einem Töpferkurs in Mitte – ihr Leben wurde ruhiger, meins definitiv nicht. In der ersten Woche ist er bei jeder Hundebegegnung ausgerastet, hat in die Wohnung gepinkelt und nachts geheult. Ich saß morgens um sechs mit einem Kaffee in der Hand und habe "Hund hört nicht auf mich" gegoogelt. Und bin in dieser ganzen Welt der Hundeerziehung gelandet – mit der Erkenntnis, dass das Problem nicht war, dass er nicht hört. Das Problem war, dass ich nicht gesehen habe.

Warum Worte bei der Hundekommunikation fast egal sind

Mein Notizbuch sieht mittlerweile aus wie ein Schlachtfeld aus Skizzen von Rutenstellungen und Ohrenwinkeln. Dabei habe ich gelernt, dass Hunde in erster Linie über Körpersprache kommunizieren, und zwar in einem Tempo, das mein Designer-Auge komplett überfordert hat. Diese sogenannten Beschwichtigungssignale dauern oft nur Sekundenbruchteile – ein kurzes Lecken über die Schnauze, ein Wegdrehen des Kopfes. Kein Zufall. Eher ein ganzer Satz: "Das hier wird mir gerade zu viel, geh einen Schritt zurück."

Nahaufnahme eines Hundes auf dem Tempelhofer Feld in Berlin, der aufmerksam die Körpersprache seiner Umgebung liest

Ein wedelnder Schwanz bedeutet übrigens nicht automatisch Freude, das hätte ich früher anders gedacht. Er zeigt erstmal nur Erregung oder Anspannung – wie ein Ausrufezeichen, das dir nicht verrät, ob der Satz davor nett gemeint war oder eine Drohung. Ich sitze also in meinem Job und sortiere visuelle Hierarchien, und zuhause frage ich mich, warum es so schwerfällt zu erkennen, dass mein Hund gerade völlig gestresst ist. Inzwischen nutze ich unterwegs die App von Mit Hunden sprechen, vor allem im Park, wenn ich kurz nachschauen will, was ein bestimmtes Ohrenzucken bedeuten könnte.

Ich habe viel zu viel geredet

Mein größter Fehler ist mir erst nach einigen Wochen Training aufgefallen: Ich habe meinen Hund komplett vollgetextet. "Nein, komm her, lass das, guck mal der süße Hund da drüben" – eine wandelnde Radiostation. Irgendwann hat er einfach auf Durchzug geschaltet, und ehrlich, wer kann es ihm verübeln.

Weniger ist mehr, das musste ich mir mühsam beibringen. Wenn ich ruhig bleibe und nur mit minimalen Gewichtsverlagerungen arbeite, reagiert er spürbar besser – fast unheimlich, wie viel er die ganze Zeit über beobachtet hat, während ich dachte, ich müsste ihm mit großen Gesten zeigen, wo es langgeht. Es ist wie beim Kochen mit Mitbewohnern: Man muss nicht ständig erklären, was man gerade tut, manchmal reicht es, einfach ruhig am Herd zu stehen. Belohnt wird bei uns übrigens nur, was gut läuft, das Prinzip der positiven Bestärkung ist an sich simpel, nur die Umsetzung im Alltag ist es nicht.

In der sechsten Woche saß er zum ersten Mal von selbst vor der Wohnungstür, bevor ich überhaupt nach der Klinke gegriffen hatte. Kein Kommando von mir, keine Ansage. Er hatte einfach aus meiner Bewegung gelesen, was als Nächstes passiert, lange bevor ich selbst etwas gesagt habe.

Eine Hand hält eine nasse Hundeleine auf einer Berliner Straße im Regen – Alltag im Hundetraining für Anfänger

Schlechte Tage: die Realität hinter dem Fortschritt

Natürlich klappt das nicht immer. Es gibt Tage, an denen mein Gehirn komplett Matsch ist und ich rein gar nichts erkenne. Letzte Woche auf dem Tempelhofer Feld zum Beispiel: Er fixiert einen Hund am anderen Ende der Wiese, ich bin mit Gedanken woanders, und schon hängen wir wieder bellend in der Leine. Rückruf trainieren wir separat, das ist nochmal eine ganz eigene Baustelle, die hier den Rahmen sprengen würde. Frustrierend ist das trotzdem jedes Mal.

Was definitiv nicht funktioniert hat: ihm mitten im Gebell ein Leckerli hinzuwerfen, in der stillen Hoffnung, er hört dann auf. Er hat danach nur noch lauter gebellt – ich hatte ihm gerade beigebracht, dass sich Lärm auszahlt. Aufmerksamkeits-Bellen ist übrigens ein ganz anderes Kapitel als Reaktivität an der Leine, auch wenn sich beides am Anfang furchtbar ähnlich anfühlt.

An einem besonders schlechten Tag sah mein Trainingstagebuch ungefähr so aus: Nieselregen, den er genauso hasst wie ich, drei Eichhörnchen-Sichtungen hintereinander, meine Reaktion war panisches Festhalten der Leine – komplett falsch, wie sich zeigte –, und seine Reaktion war kompletter Kontrollverlust. Der Lerneffekt kam erst spät: Wenn ich mich anspanne, denkt er, es gibt tatsächlich einen Grund zur Panik. Ich muss also meine eigene Körpersprache in den Griff bekommen, bevor ich seine überhaupt korrigieren kann.

Struktur in dieses Chaos hat vor allem die Traumhund-Challenge gebracht, mit 54 Trainingsspielen, die man Schritt für Schritt durcharbeitet – für jemanden wie mich, die anfangs überhaupt keinen Plan hatte, wo man anfängt, war das enorm hilfreich. Günstig ist es nicht, aber es begleitet einen ein ganzes Jahr lang. Zusammen mit dem, was ich aus Hundetraining mit Erfolg mitgenommen habe, fühle ich mich inzwischen deutlich weniger hilflos. Ich fange an, so etwas wie die Grammatik meines Hundes zu verstehen.

Körpersprache beim Hund im Berliner Alltag lesen

Berlin mit Hund bedeutet vor allem eins: ständig Reize. Autos, fremde Hunde, schreiende Kinder, liegengelassene Currywurst-Reste auf dem Gehweg. Wenn ich die feinen Zeichen nicht lese, bevor er in den Ausrast-Modus kippt, werden wir nie entspannt in einem der hundefreundlichen Cafés in Berlin sitzen können. Es geht dabei nicht um Kommandos wie im Zirkus, sondern um eine gemeinsame Sprache ohne Geschrei.

Junge Frau geht entspannt mit ihrem Hund an lockerer Leine auf dem Tempelhofer Feld in Berlin spazieren – ruhige Körpersprache trotz Grossstadt-Alltag

Die kleinsten Details machen dabei den Unterschied – wie er sein Gewicht verlagert, ob die Rute steif nach oben zeigt oder locker mitschwingt, ob seine Augenbrauen angespannt sind (ja, Hunde haben so etwas wie Augenbrauen-Mimik). Manchmal fühlt sich das an wie bei meinen Grafik-Projekten, wenn ich das perfekte Kerning zwischen zwei Buchstaben suche: Es sind Millimeter, die über Harmonie oder Chaos entscheiden.

Falls du auch gerade erst anfängst und nicht sofort verstehst, was in diesem Pelzkopf vorgeht: Kopf hoch, es dauert, und ja, du wirst dich im Park blamieren, mehrfach. Aber der Moment, in dem dein Hund dich ansieht und du GENAU weißt, dass er gerade fragt "Ist das okay für uns?", ist unbezahlbar. Das Wissen aus Mit Hunden sprechen hat mir dabei wirklich die Augen geöffnet, fast wie eine neue Brille, durch die ich die Welt jetzt sehe.

Wir sind noch lange nicht perfekt, aber wir reden inzwischen meistens dieselbe Sprache – und die eine Sache, die ich jedem Anfänger mitgeben würde: Bevor du am Hund herumkorrigierst, schau erst auf deine eigene Anspannung, deine eigene Rute sozusagen. Der Hund reagiert die meiste Zeit nur auf das, was du selbst gerade ausstrahlst, nicht auf das, was du sagst.

Mehr aus unserem Alltag gibt es hier: wie die Traumhund-Challenge Erfahrungen bei uns konkret aussahen, inklusive aller Rückschläge.

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