Pfoten-Tagebuch

Hund will nicht nach Hause gehen: Tipps für das Ende der Gassirunde

Loki steht da wie angewurzelt, mitten auf dem Hauptweg im Görlitzer Park, die Leine stramm zwischen uns gespannt. Eine Szene, die in meinem Hundetagebuch inzwischen fast wöchentlich auftaucht. Ich ziehe, erst sanft, dann mit dem ganzen Körpergewicht einer Frau, die nur noch duschen will. Nichts passiert. Er starrt Richtung Hundewiese, als hätte ihn da jemand festgeklebt, und ignoriert mich so vollständig, dass ich mich frage, ob er überhaupt noch weiß, dass ich am anderen Ende der Leine stehe.

Als Hundeanfängerin in Berlin dachte ich, ein paar gute Gassigehen-Tipps würden reichen, um genau solche Szenen zu verhindern. Stattdessen gehört der Moment, in dem der Spaziergang eigentlich vorbei sein sollte, inzwischen fest zu meinem Berliner Hundealltag, ob ich will oder nicht.

Ein Jogger bremst kurz ab, schaut, grinst, läuft weiter. Eine Frau mit Kinderwagen macht einen großen Bogen um uns, weil Loki aussieht, als würde er gleich explodieren. Genau das meine ich: Diese Pfützen-Statue-Nummer passiert nicht nur direkt vor der Wohnungstür, sie passiert überall dort, wo der Spaziergang für ihn offenbar noch nicht fertig ist.

Wenn aus Gassigehen ein Machtkampf wird

Seit Loki bei mir wohnt, kenne ich dieses Spiel gut. Verstanden habe ich lange nicht, warum er es überhaupt spielt. WARUM MACHT ER DAS, habe ich mich ernsthaft gefragt, während ich an einer stinknormalen Straßenecke fast verzweifelt bin.

Früher dachte ich, er sei einfach nur stur und wolle mich testen. Also habe ich auf das gesetzt, was ich Methode eins nenne: ziehen, bitten, notfalls drohen. Spoiler: Das war nicht meine beste Idee.

Gassigehen-Tipps in der Praxis: matschige Hundepfoten bleiben stur auf dem Berliner Gehweg stehen

Ist das Sturheit oder einfach zu viel los für ihn?

Mein Onlinekurs hat mir eine Erklärung angeboten, die ich zuerst gar nicht hören wollte: Vielleicht ist Loki an der Ecke nicht stur, sondern schlicht überreizt. Der Görlitzer Park ist an guten Tagen voll mit Joggern, Kindern, anderen Hunden und dem Trubel vom Flohmarkt nebenan. Für einen Hund, der jeden einzelnen Reiz verarbeiten muss, ist das eine ganze Menge Holz auf einmal.

Wie viel davon wirklich Übersättigung ist und wie viel pure Entscheidung, lässt sich oft an der Körperhaltung ablesen, auch wenn das ein eigenes großes Thema für sich ist. Ich habe mich jedenfalls gefragt, ob mein Hund mich überhaupt versteht, bevor mir klar wurde, dass das Problem vermutlich gar nicht am Gehorsam lag.

Getestet habe ich das natürlich trotzdem anders, bevor ich überhaupt auf Körpersprache geachtet habe: lautes „Nein!" und „Pfui!", quer über den Weg gerufen, während andere Spaziergänger sich fragten, wem das eigentlich galt. Loki hat es vollständig ignoriert. Kein Ohrenzucken, kein Blick, gar nichts, als würde ich mit dem nächsten Baum reden.

Methode eins: Ziehen, Mahnen, Nichts passiert

Methode eins ist schnell erklärt, weil sie so simpel ist: an der Leine ziehen, Kommandos rufen, notfalls den Hund die letzten Meter fast tragen. Der Vorteil liegt auf der Hand. Sie kostet keine Vorbereitung und funktioniert manchmal, wenn er nur kurz abgelenkt war. Der Nachteil zeigt sich erst später: Wenn Zuhause für Loki vor allem mit Gezerre und erhobener Stimme verknüpft wird, wird aus dem Heimweg ein Ort, den er meiden will, statt einem, an dem er ankommen möchte. Wer öfter mit Impulskontrolle arbeitet, merkt ziemlich schnell, dass Lautstärke allein selten das eigentliche Problem trifft.

Bei Loki hat Methode eins eigentlich nie richtig funktioniert, außer dem einen Mal, als ihn ein Eichhörnchen mehr erschreckt hat als ich.

Methode zwei: Das Spiel beginnt genau an der Haustür

Zuhause soll bei dieser Methode nicht mehr das Ende der Action bedeuten, sondern den Anfang von etwas anderem. Im Hausflur werfe ich inzwischen ein paar Leckerlis auf den Boden, sodass aus den letzten Metern ein kleines Suchspiel wird statt eines Tauziehens an der Leine. Drinnen wartet dann oft etwas, das es nur in genau diesem Moment gibt: ein gefüllter Schleck-Napf oder ein spezielles Kauspielzeug, das sonst im Schrank bleibt. Und wenn ich merke, dass Loki an der Ecke zu unserer Straße schon steif wird, drehen wir noch eine kleine Extrarunde oder machen eine Übung, bevor wir überhaupt in Richtung Haustür einbiegen.

Der Nachteil von Methode zwei ist der Aufwand: Sie braucht Vorbereitung, ein paar Leckerlis in der Tasche und die Geduld, auch mal einen Umweg zu gehen, wenn man eigentlich nur noch duschen will. Dafür verändert sie etwas, das Methode eins nie geschafft hat. Loki verbindet das Ankommen inzwischen nicht mehr automatisch mit Stress. Mittlerweile reicht sogar die Türklingel als kleiner Testfall: Statt sofort zur Tür zu schießen, wirft er mir erst einen kurzen Blick zu, so als würde er fragen, ob das gerade wichtig ist. Hunde, die draußen einfach nicht mehr auf einen hören, reagieren insgesamt oft besser auf ein Spiel als auf einen weiteren Befehl. Das hat sich bei uns jedenfalls bestätigt.

Zoé, die mir Loki überlassen hat, bevor sie beruflich nach Hamburg musste, schickt mir ab und zu eine Sprachnachricht, wenn ihr eine seiner alten Macken wieder einfällt, meistens genau dann, wenn ich gerade an einer davon verzweifle.

Das Ganze fühlt sich manchmal an wie in einer WG, in der jemand partout nicht ins Bett gehen will, obwohl am nächsten Morgen früh der Wecker klingelt, nur dass ich hier die Einzige bin, die überhaupt schlafen gehen möchte. Meine Nachbarin Brigitte aus dem ersten Stock hat mir neulich sogar ein Stück Kuchen vor die Tür gestellt, nur weil Loki nachts endlich durchgeschlafen hat.

Welche Methode wann wirklich hilft

Für mich läuft es inzwischen auf eine klare Unterscheidung hinaus. Methode eins hat genau dann ihre Berechtigung, wenn es um Sicherheit geht: eine Straße, ein herannahendes Auto, ein Moment, in dem sofortiges Handeln zählt und keine Zeit für Spielchen bleibt. Für den ganz normalen Feierabend-Stillstand am Görlitzer Park dagegen bringt Methode zwei spürbar mehr: Sie braucht zwei Minuten länger, verändert aber, wie Loki den Heimweg überhaupt wahrnimmt.

Wer parallel noch an lockerer Leinenführung arbeitet, merkt häufig, dass beide Baustellen zusammenhängen. Ein Hund, der entspannt neben einem läuft, bremst insgesamt seltener abrupt ab.

Dazu kommt, dass wir parallel konsequenter das „Bleib" üben, was uns insgesamt mehr Ruhe im Alltag gibt, wie ich in meinen Notizen zum Thema Hund Bleib beibringen schon mal aufgeschrieben habe.

Perfekt ist bei uns nichts von alledem. Aber inzwischen weiß ich wenigstens, welche der beiden Methoden ich wann ziehen sollte, und das macht den nächsten Stopp mitten im Park deutlich weniger dramatisch.

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